Eile mit Weile


 

Wie viel Zeit braucht unser Kind, um eine neue Sprache zu erlernen, wenn es in der Zeit des Landwechsels schon 10-12 Jahre alt ist? Sicherlich mehr als dessen jüngeren Geschwister, aber immerhin weniger als dessen Eltern. Nach ein oder zwei Jahren wird es mit seinen Mitschülern schon fließend reden und sich sogar an Gruppenarbeiten beteiligen, dies offensichtlich nur wenn es sich im schulischen Stoff auskennt. Aber woran liegt es, dass es in den schriftlichen Prüfungen schlechtere Noten erzielt, obwohl es sich mündlich schon ziemlich gut ausdrückt?  

Der Grund dafür ist, dass man tiefere Sprachkenntnisse zur Verfassung von Texten benötigt, als zum alltäglichen Reden. Laut Cummins Theorie, braucht man zwischen 5 und 7 Jahre, um das eigene Niveau, das heißt, wie man auf seiner Muttersprache in seinem Alter schreiben würde, zu erreichen. Es ist besser nicht auf unsere ersten Eindrücke zu hören und nicht anzunehmen, dass jemand, der sich mehr oder weniger gut verständigt, gleichzeitig auch richtig schreiben können sollte. Des Weiteren hängt die Kompetenz, die man braucht, um qualitativ hohe schriftliche Texte zu verfassen nicht nur von den sprachlichen Kenntnissen ab. Das ist unser Ausgangspunkt um neue Wege zu suchen, damit das Kind seine Schwierigkeiten bewältigen kann. 

Die Vorbereitungsphase des Schreibens ist entscheidend. Der Entwurf oder die Notizen der Ideen, über die man den Aufsatz schreibt, müssen nicht unbedingt auf der Sprache der Hausaufgabe oder Prüfung sein. Wenn die Ideen richtig zusammengestellt sind, zum Beispiel mit Hilfe von einem Mind-Map, ist es sogar möglich sowohl mit einem geringen Wortschatz als auch einfacheren grammatikalischen Strukturen einen vernünftigen Text zu schreiben. Nicht weniger wichtig ist die Korrektur. Bevor man seine Arbeit beendet, ist es unentbehrlich sich genug Zeit zu nehmen, um das Geschriebene erneut zu lesen und bei Bedarf, bestimmte Wörter oder Ausdrücke im Wörterbuch oder eventuell im Grammatikbuch nach zu schlagen.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert Information auf der Sprache der vorgesehenen Arbeit zu suchen, mit welcher die Terminologie der zu bearbeitenden Themen zu erlernen ist. Wenn es das Sprachniveau allerdings verbietet, kann man auch sprachlich einfachere Materialien, Texte mit mehreren Illustrationen oder sogar Erläuterungen in Videos suchen. Zusätzlich kann man erst Information auf einer Sprache, die das Kind besser beherrscht und nachher auf der benötigten lesen. Dadurch wird nicht nur das bessere Verständnis eines Konzeptes ermöglicht, sondern die Terminologie einfacher identifiziert und die Vorbereitung auf die schriftliche Arbeit erleichtert.  Auf dieser Art und Weise werden sprachliche Schwierigkeiten durch methodische Stärke kompensiert, die zu einer besseren schriftlichen Leistung führen. 


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